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Konzeption "Adolf-Buch"

Konzeption, Hintergründe und Verwirklichung dieses Buchprojektes über die Grube Adolf von 2014 bis 2015

Ziel: Schreiben eines Buches über die 1972 stillgelegte Grube Adolf in Merkstein, bevor es „zu spät“ ist. Dabei soll das Buch ein Beitrag sein, wie „Geschichte“ auf Menschen zu geht und nicht umgekehrt. Aber dazu muss man den "Bucherstellungs-Elfkampf" beherrschen. Dieser sei hier kurz erläutert:

1) Arbeitsbereitschaft und Dranbleibenwollen
(Wenn das nicht vorhanden ist, würde so ein Projekt 10 Jahre und mehr dauern oder nie enden...)

2) "Drehbuchgefühl" für ein spannendes Buchkonzept
(Wenn das nicht vorhanden ist, weiß man gar nicht. was man machen soll und warum. Man würde kein Zielgefühl haben und die Sache würde sich im Sande verlaufen...) 

3) Gesprächsführung  inkl. Zuhörenkönnen
(Wer kein Gespräch führen kann und möglicherweise nur selber reden will, der kommt überhaupt nicht weiter. Wichtig ist der Gesprächspartner und die Fähigkeit, seine Erinnerungen ans Tageslicht zu holen. Ansonsten kommen Sie nicht weiter...)

4) Gespür für "Pointen" und Geschichten
(Wer die nicht "hört" und erspürt, worüber soll er den schreiben? Und vor allem wie? Der Leser soll schon verstehen, was passiert...) 

5) Schreib- und Formulierungsfreude
(Ohne diese Gabe nützt alles Erzählen nichts. Wer das Gesprochene nicht zum Geschriebenen verwandeln kann, wäre spätestens jetzt am Ende...)

6) Vertrauensvolle Kontaktpflege (u.a. für Materialbeschaffung)
(Ohne Vertrauen bei den Gesprächspartnern oder Materialgebern würde man ja nichts bekommen. Und mit nichts gibt es auch kein Buch...) 

7) Fotografieren und digitale Bildbearbeitung
(Man muss "unterwegs" immer fotografieren. Und wer die digitale Bildbearbeitung einem anderen überlassen müsste, muss viel Zeit und Geld einkalkulieren. Und zumindest zweiteres ist bei einem solchen Unternehmen eher rar...)

8) Intelligente Dateienverwaltung
(Wer Dateien gedanken- oder phantasielos verwaltet, findet bald nichts mehr. Und wer nichts findet, hat auch nichts und kommt nicht mehr weiter...)

9) Graphische Buchgestaltung und Kreativität
(Ein lebendiges Buch von einer zweiten Person gestalten zu lassen wäre viel zu kostspielig aber würde einen entscheidenden Bruch vom Kopf des Autors zur Hand des Gestalters verursachen. Das Ergebnis würde sehr leiden und ein professioneller Gestalter würde den Buchpreis torpedieren...)

10) Verlegerischer Mut (inkl. zum Risiko)
(Wer den nicht hat, würde an dieser Stelle scheitern. Und anderen das zuzumuten, wozu man selber keinen Mut hat, wo gibt es denn sowas?)

11) Werbung und PR
(Klappern gehört zum Handwerk und richtiges Klappern führt zum Erfolg. Falsches Klappern lässt das Projekt scheitern bzw. erhöht das verlegerische Risiko auf unzumutbare Weise. Ohne Käufer scheitert auch das beste Buch...)

Weitere Voraussetzungen:
Mindestens 100 lebende Zeitzeugen (ehemalige Adolf-Bergleute), die zu einem Gespräch bereit waren. Sie sollten nach Erlebnissen zu folgenden Themen befragt werden: Arbeitswelt, Grubenunglück auf „Adolf“ am 14.12.1962, ihr Weg zur Grube Adolf (Flucht, Vertreibung oder andere Gründe, d.h. wie zur Grube Adolf „migriert“ sind, Nachfrage nach Fotomaterial, insbesondere ein Personenbild aus ihrer Adolfzeit und die Erlaubnis, ein Personenbild von heute zu machen).

Um insgesamt 200 aktuelle von noch lebenden Adolf-Bergleuten zu machen, wurden darüberhinaus noch 85 ehemalige „Adolfer“ angesprochen. Diese wurden nur noch um weiteres Fotomaterial angesprochen, jedoch kein dezidierten Zeitzeugengespräch mehr geführt.

Zeitzeugenbefragung: Diese erfolgte vom 1.2. bis zum 31.8.2014. Die anvisierten 100 wurden um 15 Personen übertroffen, d.h. 115 Personen konnte ich für dieses Unternehmen gewinnen. Der „Fremdeleffekt“ war teilweise sehr groß, so dass nur durch „Schützenhilfe“ und „Empfehlung“ von Merksteinern dieses Ziel erreicht wurde. Als Boschelner in Merkstein für ein solches Projekt unterwegs zu sein, wäre ohne „Einheimischenhilfe“ nicht möglich gewesen.

Materialsichtung:
Das Befragungsmaterial wurde gesichtet, die geliehenen Fotos gescannt und themenmäßig vorsortiert. Die Rückgabe erfolgte innerhalb einer Woche. Von Juli bis September 2014 wurden aus den Befragungsergebnissen zirka 200 Geschichten „generiert“ und geschrieben. Von September bis Oktober 2014 erfolgte die Vorlage der Geschichten bei den Zeitzeugen und die Bestätigung, dass der Inhalt der Richtigkeit entsprach. Für den Fall einer Veröffentlichung wurde die Freigabe erteilt.

Historischer Teil:
Zur Erfassung der „Adolf-Historie“ wurde eine Gesamtausgabe der EBV-Zeitung (de Kull und EBV-Report) digitalisiert (von Februar bis März 2014). Diese bestand in der Form nicht und ist für Bergbaufreunde ein äußerst interessantes „Abfallprodukt“. Diese fast 30 Jahrgänge wurden nach Adolf-Fakten durchforstet und in eine Historien-Datenbank eingegeben. Alle weiteren Fakten aus der Literatur (Festschriften, Kahlen-Bücher, Dissertationen, Stadt Herzogenrath, Internet. mündliche Fakten, Bekanntmachungen) wurden hinzugefügt. Zeitraum: Juli bis Oktober 2014.

Genealogischer Teil: Um heute noch lebende Merksteiner als „Bergbau-Nachfahren“ zu identifizieren, wurden aus den EBV-Zeitungen die dort in 29 Jahren veröffentlichten Geburten (Kinder von Adolf-Beschäftigten) erfasst und in eine Datenbank eingegeben. Zeitraum: August bis Oktober 2014. Ferner wurde aus einem Adressbuch des Jahres 1962 für Merkstein die Einwohner in eine Datenbank eingegeben, die direkt vom Bergbau lebten (zirka 60 %). Zeitraum Oktober bis Dezember 2014. Außerdem wurden aus den EBV-Zeitungen alle Jubilare erfasst und alphabetisch aufbereitet, und zwar von Mai 2014 bis Juni 2014). Hintergrund: Geburten, Jubilare und Bergbau-Einwohner sollten ein Bild von „Abstammung“ erzeugen, d.h. eine Bergbauidentifikation für Kinder und Enkel ermöglichen.

Bildmaterial: Die Pressearbeit zu diesem Buch sollte weitere Menschen animieren, Bildmaterial zur Verfügung zu stellen. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass nur die persönliche Schiene effektiv ist. Das Bildmaterial wurde immer zeitnah erfasst und zurückgegeben - wie oben schon erwähnt. Insgesamt kamen so inkl. der Zeitzeugen über 300 Personen als Quellen zusammen (siehe Buch-Seite 300). Die Quellen-Nrn. wurden bei allen Fotos und Geschichten im Buch hinter dem Beitrag genannt. Der Foto-Zufluss erfolgte von Februar 2014 bis Juni 2015, d.h. das war ein Prozess über die gesamte Projektdauer erfolgte.

Gestaltung: Gegen Ende November 2014 konnte mit der Gestaltung des Buches, d.h. der optischen Aufbereitung begonnen werden. Dieser Prozess zog sich bis März 2015 hin. Aus den Geschichten wurden Kategorien gebildet, die in den Kapiteln I bis IV Berücksichtigung fanden.

In Kapitel I ergänzen die Geschichten „Wege zur Grube Adolf“ (Migration) die „trockene“ technische Historienmaterie.

In Kapitel II wurden bei den Geschichten vier Bereiche unterschieden. Es wurde darauf geachtet, dass alle Zeitzeugen sich wiederfinden. Von jedem Zeitzeugen wurde mindestens eine Geschichte genommen, wenn er diese erzählt hatte und diese eine „Pointe“ hatte. Der „Schnitt“ bei den Befragungen pro Zeitzeuge waren knapp zwei Geschichten, wobei einige sechs Geschichten erzählt haben und andere keine. Das Erspüren der „Pointe“ war nicht immer leicht und bedurfte einiges Assoziationsvermögen. Da ich aus über 200 Geschichten auswählen konnte, hatte ich bei der Gestaltung einiges an „Dispositionsmasse“. Durch ein geschicktes Bildmanagement konnte ich eine gute Mischung aus Text und Bild gestalten, wobei das Verhältnis immer mit 6 zu 4 oder 5 zu 5 angestrebt wurde. Vollseiten mit Bilder ließen dann auch schon mal „Nur-Textseiten“ daneben zu.

Die Mischung Text und Bild in Kapitel III (Historie) war 3 (Text) und 7 Bild, also 3:7.  Die vorliegenden Pläne wurde allesamt graphisch überarbeitet (z.B. bei dem Plan der Tagesanlagen wurden dafür 30 Stunden aufgewendet). Ferner sollte in Kapitel III Situationsblicke in die Grube Adolf anhand von authentischen Berichten ermöglicht werden (1950 und 1962).  Ein großer Grubenplan wurde sogar „seziert“, d.h. in Schriftform veröffentlicht. Alle in diesem Plan aus 1962 befindlichen Strecken, Blindschächte o.ä. wurden vermessen und als Verzeichnis veröffentlicht. In diesem Kapitel kommen noch die Grubenwehr bzw. die Zwangsarbeiter vor. Dabei wurde die vorliegende Liste der Zwangsarbeitergräber mit den Gräbern auf dem Friedhof Lange Hecke anhand der kyrillischen Schreibweise verglichen und erheblich korrigiert. Es wurden auch im Rahmen des Buches Figuren gefunden, die ein Zwangsarbeiter in der Ziegelei Adolf hergestellt hat. Diese Figuren werden heute im Fördermaschinenhaus ausgestellt, d.h. im Rahmen der Materialfindung kam also viel Material zu Tage, das ohne dieses Projekt für immer im Verborgenen geblieben wäre. Die Tonfiguren eiues russischen Zwangsarbeiters auf S. 189 des Buches könnte man dabei als „Neu-Material-Sternstunde“ bezeichnen.

Der „Genealogie-Teil“ in Kapitel III wurde bewusst mit kleineren Schrifttypen gewählt, weil man diese Kapitel nicht liest, sondern man hier nur gezielt nachschaut. Also es wurden keine Seiten für ein „dickes“ Buch „geschunden“.

In Kapitel IV wurde die traurige Seite des Bergbaus (Unfall und Tod) behandelt. Die Grubenkatastrophe am 14.12.1962 wurde noch nie in einer derart intensiven und detaillierten Form ausgearbeitet. Also auch etwas ganz Neues. Diese Fakten könnten m.E. als Vorlage für ein Drehbuch dienen, wo Schicksal und Mensch im Zusammenhang stehen.

Das Abdrucken von Original-PR-Artikel wurde bewusst vermieden (gestalterisch indiskutabel). Deshalb wurden Zeitungsberichte „nachgebaut“ und entsprechend dem Platz formatiert.

Im Rahmen der Recherchen konnte die bestehende Liste der tödlich Verunglückten um weitere 10 Bergleute ergänzt werden.

In Kapitel V wurden die Spuren des Bergbaus von heute in Merkstein dokumentiert. Einen großen Platz nimmt auch der Verein Bergbaudenkmal Adolf als Pate dieses ein. Die Doppelseite mit 200 älteren lebenden Bergleuten von heute bildet dabei den Höhepunkt. Wie wichtig der Zeitpunkt dieses Projektes war zeigt der Umstand, dass 14 Bergleute vor Erscheinen des Buches bereits gestorben sind.

Stilmittel: Es wurden Stilmittel in diesem Buch gewählt, z.B. die Sätze auf den rechten Seiten „Adolf ist...“ Durch 150 Gedanken zur Grube Adolf wurde hier „Bergmannsart“ zum Ausdruck gebracht. Sie sollen auch für einen Schmunzeleffekt sorgen. Auch in dem Lexikon der Bergbaubegriffe wird ab und zu auch mal lockerer formuliert.
Die lyrischen Texte zum Beginn der Kapitel (mit Ausnahme im Inhaltsverzeichnis) stammen vom Autor selber, Quellen-Nr. 124.

Die kleinen Bilder auf den linken und rechten Seiten korrespondieren rechts mit den jeweiligen Kapiteln und links, mit einem Streifzug durch das Bergbau-Merkstein heute. Dieses „Randleben“ verbraucht darum keinen redaktionellen Platz, weil dieser in normalen Büchern freibleibt, d.h. der Platz wurde also zu 110 % ausgenutzt.

Korrekturphase: Von April bis Juli 2015 fand die Korrektur- und Lektoratsphase statt. Trotz noch so großer Mühen staunt man nach dem Druck über manchen „Fehler“. Da das (nichtvorhandene) Budget keine professionelle Korrektur- und Lektormannschaft zuließ, muss man am Ende mit kleinen Fehlern leben. Doch ist das Verhältnis von Richtig zu Falsch dennoch nur 99,999 zu 0,001.

Fazit: Das Buch war ein „Anlass“, um auf die Menschen zuzugehen. Insofern haben diese immer wieder während des Projektzeitraumes nach dem Stand des Buches gefragt. Darum war dies erforderlich, damit - vor allem - die Zeitzeugen ihre Erzählungen wiederfinden.

Einerseits wurde die Basis von viel aufbereitetem mündlichen Materials dadurch in eine „Form gegossen“, die mit einer m.E. gut lesbaren und lebendig gestalteten Art zu den Lesern wieder zurückkehrt.

Der eigene Wiedererkennungseffekt ist bei vielen Menschen mit „Adolf-Hintergrund“ gegeben, d.h. deren Familienangehörigen können - bei Interesse - einen Blick in das Leben der Väter oder Großväter werfen. Ich denke, dass das Gesamtergebnis zwar aus vielen Facetten besteht und neben den vielen historischen Fakten den Zeitgeist im Kontext zu den Menschen widerspiegelt. Trotzdem bildet das gesamte Material eine Einheit.

Ich denke, dafür hat sich dieser doch sehr starke Zeitaufwand mit seinen Wegen, manchen Zurückweisungen, vielen Ermutigungen sehr gelohnt.

Die im Vorfeld erfolgte versuchsweise Vorstellung meiner Arbeit in der Sekundarstufe II des Städtischen Gymnasiums Herzogenrath im März 2015 hat mir dies bestätigt. Im Rahmen meiner Präsentation war es - zur Freude der Lehrer - zwei Schulstunden mucksmäuschen still bzw. es wurden interessierte Fragen von Schülern gestellt.

Schlussbemerkungen:
Dass dieses Buch in nur 18 Monaten entstehen konnte (vom "ersten Spatenstich" bis zum fertigen Druck), ist der vorhandenen Erfahrung von vier Vorgängerprojekten geschuldet und einem absoluten Fokus auf dieses Projekt während dieser Zeit. Wie sonst hätte die mehr oder weniger zeitintensive Pflege von 300 Personenkontakten dabei funktionieren können. Das "übrige Leben" ist dabei im Grunde "hinten runter gefallen".

Ferner sei noch bemerkt, dass in dezenter Weise versucht wurde, zwischendurch durch humoristische Auflockerungen ein „warmes Leseklima“ zu schaffen. Auftakt hierzu ist auf der ersten Innenseite des Buches ein „Mindesthaltbarkeitsdatum“ (wo gibt es ein Buch mit diesem Merkmal? - Anm. d. Red.) und eine fiktive Bestätigung von verstorbenen leitenden Bergbauangestellten für einen gelungenen Buchinhalt. Auch bei den „Adolf-ist-Sprüchen“ bzw. im Bergmannslexikon wird dieser „humoristische Spielraum“ gerne ausgenutzt. Das soll auch zeigen, dass die Materie lebt bzw. auch der, der die Materie in dieser Form so darstellt. Dabei ist die Idee des Mindesthaltbarkeitsdatums durchaus geeignet, dem klassischen Prädikat „wider dem tierischen Ernst“ doch sehr nahe zu kommen. Die Gefahr einer diesbezüglichen Ordensverleihung besteht jedoch nicht, weil der Urheber eben nicht prominent genug ist.

Mögliche Rückfragen zu diesem Projekt an den Autor über diese Internet-Seite.


 


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